Eʋe Unterhaltungsmusik im Wandel der Zeit

Eyram Fiagbedzi

Agbadza ist seit dem späten 17. Jahrhundert eine populäre Trommelmusik der Anlo-Eʋe. Der Name des Genres geht zurück auf die Eʋe-Wörter agbe (Leben) und dza (frisch oder rein). Agbadza bedeutet also auch, dass die Musik beziehungsweise die Teilnahme an Tanz und Trommeln frische Lebensenergie bringt. Andere Quellen weisen jedoch darauf hin, dass Agbadza auf einen Begräbnistanz zurückgeht der wiederum aus einem noch älteren Kriegstanz namens Atripkui entstanden ist.

Agbadza besteht aus verschiedenen Variationen, wie Agba, Kini, Ageshie und Akpoka, die sich in Tempo und musikalischem Ausdruck unterscheiden.

Für viele Anlo-Eʋe ist Agbadza ein Symbol ihrer gemeinsamen kulturellen Identität. Ursprünglich war der Tanz die Domäne der Männer die sich so auf den Krieg vorbereiteten, Siege feierten oder ihre Toten ehrten. Heute wird Agbadza von allen Geschlechtern getanzt unabhängig von ihrem sozialen Status, sowohl bei Festen wie Hochzeiten als auch bei Beerdigungen oder zu Gottesdiensten oder traditionellen Feierlichkeiten.

Ein Set Agbadza-Trommeln aus der Sammlung Ulli Siebenborn / drummuseum.com
Foto © Völkerkundemuseum der Universität Zürich (Kathrin Leuenberger) 2019

Im Agbadza Trommelensemble leitet die grosse Atsimeʋu als Meistertrommel die anderen Instrumente an. Die kleinere Trommel Sogo ist in anderen Ensembles die Meistertrommel, doch im Agbadza hat sie eine begleitende Funktion. Die Trommeln Kidi und Sogo haben begleiten ebenfalls. Die Doppelglocke Gankogui, die Axatse-Rasseln sowie hölzerne Klappern spielen stetige Rhythmen.

Die Eʋe Trommeltraditionen sind ständig in Bewegungen und verändern sich. Zwar bleiben bestimmte musikalische Strukturen bestehen, doch ändern sich zum Beispiel die Texte, die die Trommler auf ihren Instrumenten spielen, um aktuellen Themen aufzugreifen. So bleiben die grundlegenden Rhythmen von Agbadza bestehen, doch der Text, den man mit den rhythmischen Elementen der einzelnen Trommeln assoziiert, wandelt sich je nach Situation oder Gemeinschaft. Ein Teil der Kreativität der Trommler ist es, die bestehenden Trommelrhythmen als neue Texte zu interpretieren, um die musikalische Tradition aktuell zu halten. Der gleiche Rhythmus kann so im Laufe der Zeit mit unterschiedlichen Texten versehen werden.

Trommler des Agbadza-Ensembles wenden eine Vielzahl unterschiedlicher Schlagtechniken an, wobei häufig Wechselschläge mit einer Hand und einem Schlegel kombiniert werden. Auf manchen Trommeln des Ensembles erzeugen Trommler bestimmte Effekte, zum Beispiel kaum hörbare gedämpfte Schläge oder sehr laute Stopp-Schläge, wobei eine Hand das Trommelfell spannt und die andere Hand oder der Schlegel einen scharfen Schlag ausführt.

Meistertrommler der Atsimeʋu kombinieren drei Techniken wobei jede eine Vielzahl an Variationen ermöglicht. Diese Techniken sind Stock-und-Hand Kombinationen, das Spielen mit beiden Händen, oder das Spielen mit zwei Stöcken.

Die Bɔbɔɔbɔ (ausgesprochen “Borborbor”) Tanz- und Trommelmusik entstand in den 1940er Jahren als eine Weiterentwicklung älterer Unterhaltungstänze wie Konkoma, Tuidzi und Akpese. In den 1950er Jahren wurde der Tanz in der Voltaregion populär. Ursprünglich ein eher folkloristischer Tanz wurde Bɔbɔɔbɔ nach der Unabhängigkeit Ghanas 1957 auch zu einem politischen Statement, als die Partei des ersten Präsidenten des Landes, Osagyefo Dr. Kwame Nkrumahs Convention People’s Party (CCP) eine eigene Bɔbɔɔbɔ-Band gründete mit dem Namen Osagyefo’s Own Bɔbɔɔbɔ. Der Titel Osagyefo bezeichnete in Akan Gemeinschaften ursprünglich siegreiche Anführer und wurde dem ersten Präsidenten zur Unabhängigkeit des Landes verliehen. Die Bɔbɔɔbɔ-Band von Kwame Nkrumah wurde jedoch aufgelöst nachdem Nkrumah 1966 aus dem Amt entfernt wurde.

Da der Begründer des Genres, Francis Nuatro sich aber aus dem politischen Leben heraushielt und Bɔbɔɔbɔ-Musik bei privaten Anlässen wie Beerdigungen und anderen Feiern spielte, blieb Bɔbɔɔbɔ auch nach der Ära Nkrumahs populär. Heutige Bɔbɔɔbɔ-Ensembles rekrutieren sich aus einer Lokalgemeinschaft, einer Kirche oder werden zu kommerziellen Zwecken gegründet.

Seit Bɔbɔɔbɔ-Musik in den 1980er Jahren auch in christliche Kirchen Einzug gespielt wird hat die Musik zahlreiche neue Einflüsse erfahren. Christliche und westliche Musikgenres hinterliessen ihre Spuren und zeitigten neue Tanzschritte, zusätzliche Instrumente, Liedtexte und neue musikalische Ausdrucksformen.

Trommler der Nutifafa Bɔbɔɔbɔ Group aus Kpando bei einer performance in Dzolo-Kpuita in der Volta Region Ghanas, December 2018. Foto © Eyram Fiagbedzi 2018

Im Bɔbɔɔbɔ kommt nur die Zweihand-Spielweise zum Einsatz. Trommler sitzen und halten die Ʋuga zwischen den Beinen. Durch Bewegung der Beine können die Trommler ihr Instrument vom Boden heben und so Klangvariationen erzeugen. Die kleineren Trommeln Ʋuvi und Asiʋui spielen fortlaufende Rhythmen während die Trommler der Ʋuga rhythmische und melodische Variationen spielen.

Bɔbɔɔbɔ-Musik und Tanz ist eine der beliebtesten populären Trommelmusik in Ghana und im benachbarten Togo. Bɔbɔɔbɔ-Meistertrommler sind heute sehr gefragt da immer mehr Bɔbɔɔbɔ-Ensembles in ländlichen und städtischen Gegenden Ghanas gegründet werden. Manche dieser Ensembles haben keinen Meistertrommler als festes Mitglied und müssen daher manche Engagements ausschlagen. Dies wiederum hat dazu geführt, dass Meistertrommler sich nur ungern einem einzelnen Ensemble anschliessen, sondern es vorziehen, mit unterschiedlichen Gruppen zu spielen, was ihnen bessere Einkommensmöglichkeiten bietet. Die Zukunft dieser Tanz- und Musiktradition hängt auch davon ab, ob ausreichend Meistertrommler ausgebildet werden die das florierende Bɔbɔɔbɔ-Geschäft bedienen können.

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Header: Foto © Eyram Fiagbedzi 2018

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Literatur

Burns, J. (2005) My mother has a television, does yours? Transformation and secularization in an Ewe funeral drum tradition. Oral Tradition 20, no. 2: 300–319.

 Badasu, A (1988, June 3) Tribute to FC the originator of borborbor. Ghanaian Times, p. 4

Collins, J. (2018), Highlife Time 3, Dakpabli & Associates. Accra

Collins, J. (1996). Highlife Time. Philadelphia: Temple University Press.

Kuwor, S. K. (2017). “Understanding African Dance in Context: Perspectives from Ghana.” Africology: The Journal of Pan African Studies, vol.10, no.4, June 2017: 47-64.

Anku, W. (2009). “Drumming Among the Akan and Anlo Ewe of Ghana: An Introduction.” African Music 8(3): 38–64.

Fiagbedzi, N. (1977). The Music of Anlo: Its Historical Background, Cultural Matrix and

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